Mehr Resonanz wird gewünscht


Auf Parkverbote konnte am letzten Januar Wochenende niemand achten, schon gar nicht rund um die Kaiserswerther Straße und die Cecilienallee. Hier sitzt der Löwenanteil der Showrooms aller namhaften nationalen und internationalen Labels, und da mussten alle hin. Trotzdem hätte sich mancher Aussteller mehr Resonanz gewünscht. Dabei ist Düsseldorf immer noch eine kleine Stadt, in der alles in beinahe fußläufiger Nähe ist. Fünf Minuten dauert die Taxifahrt vom Flughafen bis zur Kaiserswerther Straße, hier sind etwa 450 Showrooms, die Supreme von Munichfashion am B 1, die Hotels mit zahlreichen Ausstellern. Die schwarz glänzenden SUV’s der Shuttle Services vom Fashion Net, von der Gallery, die Maseratis von der Supreme, sie alle routierten tagelang von morgens bis abends zwischen den Böhler Werken, wo die Gallery nun residiert, zwischen den Fashion Houses 1 und 2 und zwischen Halle 29 und 30 in Rath. Die Sorgen, die sich das Igedo Team wegen ihres Umzugs von der Cecilienallee in das linksrheinische Industrieareal gemacht hat, waren im Prinzip unbegründet. Schließlich konnte auch die Gallery einen Zuwachs von 20 Prozent bei ihren Besuchern verzeichnen. Trotzdem war die 15-Minuten Distanz ein Thema. Die Besucher in Berlin lachen darüber. Sie sind es seit mehr als 12 Jahren gewöhnt, lange Distanzen zurückzulegen, um neue Kollektionen zu sichten.

Sonntag war nicht der stärkste Tag
In den Hallen 29 und 30 war der Sonntag diesmal nicht der stärkste Tag. „Es hielt sich die Waage“, erklärt Britt Burman, Geschäftsleiterin Vertrieb und Marketing von Bianca in Halle 30. „Stoßweise kamen Kunden herein, dann hatten wir alle Hände voll zu tun, dann wieder gab es an allen Tagen seit Freitag längere Pausen“. Auch die Flure waren eher überschaubar, die Aufzüge kamen fast im Halbminutentakt. Dabei war es Britt Burman ein Anliegen, die Innovationen, die Bianca in der vergangenen Saison umsetzen konnte, den Kunden zu zeigen. Auch Jörg Weber, Geschäftsführer von Rabe Moden in Halle 30 war recht zufrieden, aber meinte lässig: „Es geht immer noch besser und mehr“. Am Montag, dem dritten Ordertag, waren die Räume mit Einkäufern gut gefüllt, die fleißig Kollektionen schrieben. Rabe liefert monatlich aus, ringsum waren die Garderobenständer mit Frühlings- und Sommerware gefüllt.
Josef Goddar, Prokurist von Michèle aus Mönchengladbach, hielt nochmals Rückschau auf Berlin und die Panorama, wo Michèle mit Hosen- und Rockkollektion ausgestellt hatte. „Wir waren diesmal in Halle 6, also ganz hinten und schlecht platziert. Viele Einkäufer kamen erst gar nicht an unserem Stand an, weil sie in Halle 1 und 2 so lange aufgehalten waren. Der Messeveranstalter sollte das Angebot besser aufstellen. Warum muss der Einkäufer, der DOB ordern will, sich durch eine riesige Halle quälen, an Haka vorbei, bis er schließlich da landet, wo er hin möchte? Wenn das auf der Panorama so weitergeht, überlegen wir ernsthaft, wie und ob wir uns in Berlin noch aufstellen“, fügt Josef Goddar hinzu. Und international, bestätigt er wie viele andere, war Berlin ohnehin nicht. „Da kommen alle unsere deutschen Kunden aus dem ganzen Land hin, ein paar aus BeNeLux, ein paar aus dem europäischen Ausland, aber sehr überschaubar“. An der fehlenden Internationalität hatten viele Aussteller, die in Berlin mitgemacht hatten, gemäkelt. Tatsächlich hörte man in Düsseldorf an diesen Ordertagen deutlich mehr Sprachen wie Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Holländisch als in Berlin. Berlin ist immer mehr Information, Kollektionssichtung und erster Treffpunkt, Düsseldorf ist Geschäft, Kollektionen schreiben, ein wenig Party ringsherum soll die Stimmung versüßen. Davon gab’s an diesem Wochenende reichlich, manchen Ausstellern war es schon zuviel. Come together auf der Supreme, auf der Gallery, come together von Fashion Net, diesmal im Blumengroßmarkt in Unterrath, wo die Floristen in aller Frühe ihre Einkäufe erledigen. Noch einige Parties und Diners mit geladenen Gästen rundeten das ohnehin pralle Programm ab. Zeit ist das kostbarste Gut auf Einkäuferseite. Spesen sind längst zusammengestrichen, Übernachtungen werden gekürzt, die Uhr läuft für alle im Handel.

Currywurst gibt’s nur im Sommer
Reges Treiben auch vor Halle 29, wo am Shuttlehaltepunkt immer wieder Fahrgäste warteten. Hier sitzen die großen Unternehmen wie Gerry Weber, der nur im Sommer im Außenzelt die Currywurst umsonst ausgibt (an der alle Aussteller mitzahlen, was viele nicht wissen), Brax, Olymp, Gelco, Lerros, Hattric, auch Gardeur und Seidensticker. Christina Spilker, Marketing von der Seidensticker Group:“ Wir konnten eindeutig einen Zuwachs an russischen Kunden verzeichnen. Auf die Präsenz in Berlin haben wir diesmal verzichtet. Ja, wir haben hier an allen Tagen gute Gespräche geführt. Inzwischen haben wir bei den Herrenhemden vier Passformen, wir werden immer mehr zum Passformexperten. Das muss beim Einkäufer und beim Kunden erst noch ankommen. Den größten Erfolg haben wir in der letzten Saison mit der X-Slim Kollektion gehabt“, betont sie. Und Inhaber Frank Seidensticker fügt noch hinzu: „Mit unseren Hemden von Seidensticker, die übrigens in 1919 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern, kleiden wir den Herrn altersunabhängig mit dem perfekten Hemd, in allen Schnitten und Formen“. Von den Passformen einmal abgesehen, ist die Damenwelt in den Vorstandsetagen in Bielefeld sehr gut vertreten. Die Mischung von 70 zu 30 Prozent sollten sich viele zum Vorbild nehmen! Sowohl die Personalchefin wie auch das Head of Design sind hier weiblich.

Treue Kunden in den Showrooms
Verlässlich kamen die treuen Kunden in die Showrooms. Und auch die Agenturen wie Sandra Lubasch auf der Kaiserswerther Straße 196, die etwa Barbara Becker vertritt, verzeichneten viel Publikumsverkehr. Da gaben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Hans Wiethoff, Manager vom Fashion Square und Vermieter der meisten Showrooms rund um die Cecilienallee und Kaiserswerther Straße, hörte von seinen Mietern nur Gutes. Hier residieren alle großen Labels. Annette Görtz, Allude, Strenesse, St. Emile, Iris von Arnim. Karen Dammer von Milano Italy im Showroom auf der Kaiserswerther Straße 144 strahlte: „In Berlin war sowieso bei uns viel los und hier in Düsseldorf hatten wir an allen Ordertagen gut zu tun“. Auch Tim Aretz von S. Marlon konnte nicht klagen. Es bleibt spannend, in Berlin sowieso und auch in Düsseldorf.