Ist Düsseldorf Modeplatz Nummer eins?


Die Stadt am Rhein versucht alles, ihren Standort als Modeplatz Nummer eins zu untermauern. So, wie die Branche vorher nach Berlin reist, um zu schauen, so kommt sie anschließend nach Düsseldorf zum Ordern. »Wir sind hier eine Arbeitsmesse«, hieß es auf der Supreme und der Gallery, und auch in den 800 Showrooms rund um den Fashion Square.
Und auch, wenn sich einige mit der Bezeichnung Ordertage noch immer schwer tun, weil sie lieber als Düsseldorf Fashion Week firmieren würden, geht es doch um das Ergebnis. Das Geschäft mit der Mode.

Dabei ziehen die Veranstalter glücklicherweise an einem Strang. Das war nicht immer so. Noch vor knapp 15 Jahren, als Ex-Igedo-Chef Manfred Kronen gemeinsam mit dem damals amtierenden Oberbürgermeister Joachim Erwin die Showrooms als Trittbrettfahrer der Modemesse verteufelt hatten, gab es mehr Konkurrenzkampf als miteinander. Die Einsicht um die Wirtschaftkraft durch Mode in Düsseldorf als Metropole für Fashion, Business und Lifestyle hat längst alle in ein Boot geholt. Auch der amtierende Oberbürgermeister Thomas Geisel hat erkannt, wie wichtig es ist, den Kunden und auch Endverbraucher zu umwerben. Deshalb unterstützt die Stadtspitze nicht nur Fashion Net mit jährlich 200.000 Euro, auch die Plattform Fashion mit den Schauen in Heerdt. So sollten die Modenschauen im Areal Böhler, insgesamt acht, die von Kollektiv K unter der Regie von Jonas Klingenstein und Benjamin Kuchenbäcker initiiert wurden, einerseits für den Glamourfaktor sorgen, ein wenig Partyszene schaffen und schließlich mit »Fashion Yard« gegen den Eintritt von 21 Euro Endverbrauchern die Möglichkeit bieten, hier die Kollektionen von zehn Newcomer Labels zu sichten und zu kaufen. Die Schauen kamen gut an, das Modevolk strömte in Scharen in das Areal, wo einst Metallblöcke geschmolzen wurden und heute viele Kreative wie Architekten, Werbeagenturen, Fotografen, aber auch Handwerksbetriebe ihren Sitz haben. Die Taxifahrer hat’s gefreut, denn einen echten Shuttle zwischen den Orderplätzen in Golzheim, den Hallen 29 und 30 in Rath und dem linksrheinischen Heerdt gab’s nicht. Noch nicht. Denn spätestens, wenn die Gallery im Januar 2016 hier ihre Zelte aufschlägt, sollte dafür gesorgt sein!

Ja, das Geschäft mit den Kunden! Auch der Igedochef Philipp Kronen ist dafür, nicht länger nur registrierte Fachbesucher auf die Messen zu lassen, sondern auch Endverbraucher. Es geht darum, Begehrlichkeiten zu wecken und aktiv die Modefans da abzuholen, wo sie stehen, sagt er.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: In der Modewirtschaft erzielt Düsseldorf mit 3.056 Unternehmen einen Umsatz von 18 Milliarden Euro im Jahr. Jeder 10. Euro des gesamtdeutschen Modeumsatzes werde in Düsseldorf erzielt, so betonte Klaus Brinkmann, Präsident des Deutschen Modeverbandes. Viele Konzerne wie C & A, PP & C, L’Oréal, Wrangler haben ihren Hauptsitz in Düsseldorf. Als Orderplattform hat sich die Stadt lange schon etabliert. Schließlich werden 24 Prozent des Gesamtordervolumens der deutschen Hersteller an diesem Standort erzielt. So weit, so gut.

Dass angesichts dessen das Fashion Net als Zusammenschluss von Interessenverbänden und privaten Sponsoren versucht, den Standort weiter zu festigen, liegt auf der Hand. Dass Düsseldorf aber längst ein Pflichttermin für alle nationalen und internationalen Einkäufer geworden ist, stimmt. Die Russen lieben Düsseldorf – trotz ihrer angespannten wirtschaftlichen Lage immer noch oder immer wieder. Sie kommen in die Showrooms und auf die drei Messen Gallery, Supreme und die Date. In Halle 30 wurden Models gesichtet, die Russisch sprachen und in einer Ecke mit Einkäufern emsig schrieben. Ansonsten ist Düsseldorf Dreh- und Angelpunkt für Europa. Die Einkäufer kommen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, BeNeLux, Italien, Frankreich, Skandinavien. Sie besuchen gezielt ihre Lieferanten, ihr Terminkalender scheint oft sehr angespannt zu sein. So wird zwar gut geordert, aber das Neugeschäft hapert, sagen viele Aussteller an allen Standorten. Der Faktor Zeit und die Kosten für einen längeren Aufenthalt scheinen der Grund zu sein. Viele Einkäufer hatten feste Termine und schauten weder rechts noch links. So ist es schwierig, Begehrlichkeiten zu wecken, die beim Endverbraucher ankommen.

Da half vielleicht zwischendurch die Verkostung rund um die Hallen 29 und 30, als während der Ordertage kostenlos an alle Besucher Currywurst mit Krautsalat und Körnerbrot ausgegeben wurde. Sogar die Getränke waren frei. Dass es am Imbissstand hieß, Gerry Weber sei Sponsor, ärgerte die anderen Aussteller in den Hallen. Denn die Rechnung zahlen alle, wie Patrick Kämmerer, Geschäftsführer von Vanilia Fashion aus Halle 30, versicherte.
Düsseldorf als Modeplatz lebt. Neueröffnungen von Versace, Dior und Hermès rund um die Kö beweisen das. Die Stimmung während der Ordertage war gut.