Berliner Abend mit Thomas Jarzombek


Die gefühlte Distanz zwischen Berlin Mitte und Düsseldorf Wittlaer wird zur Nebensache, wenn Thomas Jarzombek von der Bundespolitik spricht. Diesmal nach guter Tradition, nämlich zum 4. Mal, im gemütlichen Gasthaus Peters auf Einladung von CDU Ratsherr Andreas Auler. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU Fraktion in der BV 5, Nobert Biermann, und CDU Stadtbezirksvorsitzender Andreas-Paul Stieber säumten den Ehrengast Jarzombek, der häufig in Düsseldorf anzutreffen ist, nicht zuletzt auch als Vorsitzender der CDU Düsseldorf.

Männer in der absoluten Überzahl
Etwa 40 Gäste aus Wittlaer und Umgebung waren der Einladung Aulers gefolgt, darunter nur vier Frauen. Elke Wagner, Vorsitzende der Initiative Angermund, war eine von ihnen. Dabei waren die angerissenen politischen Themen durchaus spannend. Einmal abgesehen davon, dass erwartungsgemäß OB Thomas Geisel wegen seiner Wirtschafspolitik ordentlich gerügt wurde (Wirtschaften kann die CDU, das hat sie in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, eindeutig besser als die SPD) und Andreas Auler die vielgepriesene Schuldenfreiheit der Stadt betrauerte. Die Flüchtlingsfrage dominierte den flüssig gehaltenen Vortrag von Jarzombek ebenso wie die sich daran anschließende Fragestunde der Besucher. „Aus der anfänglichen Euphorie hat sich nun die Grenze im Bewusstsein der Menschen entwickelt, die langsam erreicht ist“, bestätigt Jarzombek.
Dass Deutschland vor fünf Jahren gelinde weggeschaut hat, als Lampedusa alle Flüchtlinge aufgenommen hat, wurde als schwerer Fehler eingeräumt. „Von 400 Flüchtlingen, die in der Wohnanlage auf der Barbecker Straße untergebracht sind, stammen 370 aus dem Balkan. Ihr Verbleib ist ohnehin unsicher, entsprechend angespannt ist da die Stimmung“, erzählt der Bundestagsabgeordnete. Dass in Bayern an Flüchtlinge aus dem Balkan kein Taschengeld mehr ausgezahlt wird, aber noch in NRW, sorgte für Kopfschütteln und lauten Protest.

Warum zeigt die Kanzlerin keine klare Kante?
„Wir hätten längst das System wie in USA und Kanada einführen sollen, nur die ins Land zu holen, die wir brauchen“, fügt er hinzu. Klare Kante solle die Bundesregierung bei der Einwanderung zeigen und die anderen, wie die Nordafrikaner, gleich Retour schicken. „Warum zeigt Frau Merkel nicht die klare Kante so wie Sie jetzt?“ fragte ein Wittlaerer Bürger. „In der Türkei und nicht nur da geben wir ein Bild der Unfähigkeit ab. So verliert die CDU die Akzeptanz bei vielen Menschen!“
Jarzombek antwortete: „Dass Frau Merkel nach zehn Jahren Politik erst jetzt kritisiert wird, nehme ich mal als Kompliment“. Viel Kritik an den sozialen Netzwerken wurde laut, gerade in Bezug auf die Geschehnisse in der Silvesternacht in Köln. Ja, es war ein Fehler, die Nationalität der Täter so lange zu verheimlichen. Nein, die sozialen Medien kann man nicht mehr stoppen. Man kann nur lernen, damit umzugehen. „Bis Dezember 2015 lautete das Mantra der Kanzlerin: „Wir schaffen das!“. Nun erst – viel zu spät – hat die Debatte über die Begrenzung begonnen“, fügt Jarzombek hinzu.

Nach zwei Stunden war der Berliner Abend vorbei. Spannend die Themen, rege die Diskussion. Bürgernähe, wenn auch im Kleinen, sollte häufiger stattfinden.