Goldmedaille im Fechten für Kaiserswertherin


Lore Kereszti öffnet die Türe. Vor mir steht eine schmale Frau mit langen, blonden Haaren, in Jeans, Pulli und Turnschuhen, die mir nach gefühlten drei Sekunden einen Kaffee mit Gebäck angeboten und ein Bild ihrer Goldmedaille gezeigt hat. Langsam ist anders! In Pulheim ist sie angetreten, bei den Rheinischen Landesmeisterschaften, wo sie vor zwei Jahren in ihrer Altersklasse Silber und nun Gold gewonnen hat. „Das hätte ich nicht geglaubt, dass ich da mal auf dem Siegertreppchen stehe,“ gibt sie freimütig zu. Dabei wirkt die Grundschullehrerin im Ruhestand so herrlich unruhig, beweglich und lebensfroh, dass ich mich frage, was sie in den nächsten fünf Jahren noch gewinnen wird.

Mit 62 Jahren neue Herausforderung angenommen
Nach dem Tod ihres Mannes musste sie ihr Leben neu ordnen und vor allem mit frischen Impulsen füllen. Lore Kereszti besuchte mit 62 Jahren einen Kurs der Volkshochschule in Düsseldorf, in dem Fechten unterrichtet wurde. „Schon als ganz junges Mädchen habe ich sehr viel Sport getrieben, Hürdenlauf, Leichtathletik, Eiskunstlauf, später Reitsport. Also beschloss ich, mir einen Kindheitstraum zu erfüllen und nun Fechten zu lernen“. Dass sie im Kurs mit 20 Teilnehmern mit Abstand die Älteste war und die Einzige, die sich anschließend im Deutschen Fecht Club Düsseldorf (DFCD) angemeldet hat, ist eine schöne Anekdote, die für die Neugier und Lebensfreude der sehr jung gebliebenen fünffachen Großmutter spricht. Zwei- bis dreimal pro Woche geht sie zum Training in das Comenius Gymnasium in Oberkassel. Dass die Liga der 70-jährigen bei Wettbewerben stärker vertreten ist als das der 60-jährigen, wie sie beiläufig erzählt, ist spannend. Dass ihr 62-jähriger Trainer Alexander Lerner die olympischen Degenfechter mit ausgebildet hat, spricht für das hohe Unterrichtsniveau. Maske, Degen, Handschuh und den Anzug, das gehört zur Grundausstattung. „Der Anzug ist wichtig, der zählt die Treffer“, sagt die grazile blonde Kaiserswertherin, die höchstens Kleidergröße 34 trägt und sehr geschwind mit durchgedrückten Knien ihre Handflächen mal eben auf den Boden bringt. „Wichtig ist, sich immer zu bewegen und nie damit aufzuhören“, betont sie. „Das Montan Turnier in Duisburg „Stahl trifft Feuer“, an dem ich im Mai teilgenommen habe, hat mich sehr beeindruckt. Da waren so viele professionelle junge Russinnen, dass ich dachte, gegen die habe ich ohnehin keine Chance“, lächelt sie. Für den zweiten Platz hat es gereicht! Chapeau!

Foto: Erst Silber, dann Gold im Fechten, mal schau’n, was Lore Kereszti als nächstes gewinnt.